Finanzielle Sanierung

Wie eine finanzielle Sanierung gelingen kann: Aufgaben- und Verzichtsplanung bei Gemeinden

Gemeindefinanzen sind selten das brennendste Thema in der Bevölkerung – ausser es geht um Steuererhöhungen als Massnahme für die finanzielle Sanierung. Dann betrifft es direkt das eigene Portemonnaie, was oft zu grosser Ablehnung führt. So war in der Gemeindeversammlungssaison zum Budget 2026 häufig zu lesen, dass Steuererhöhungen mit dem Argument abgelehnt wurden, die Gemeinde müsse zuerst selbst sparen, bevor die Bevölkerung zur Kasse gebeten werde. Doch warum wollen aktuell so viele Gemeinden – zumindest gefühlt – die Steuern erhöhen? Dieser Frage gehen wir in diesem Blogbeitrag nach und zeigen zusätzlich auf, wie eine nachhaltige finanzielle Sanierung der Gemeindefinanzen gelingen kann.

Aktuelle finanzielle Situation der Gemeinden ist angespannt

Bei vielen unserer Kunden, den Schweizer Gemeinden, hören wir immer wieder, dass die finanzielle Situation angespannt ist. Prof. Dr. Andreas Bergmann von der ZHAW beschrieb dies im November 2025 treffend:

„Wenn man ein Bild über die finanzielle Situation der Gemeinden zeichnen müsste, dann würde im Moment noch leicht die Sonne scheinen, aber am Horizont zeichnen sich dunkle Wolken ab.“

Die Empirie bestätigt dieses Bauchgefühl. An unserem Webinar vom 4. Dezember zeigte Prof. Dr. Markus Arnold, dass Gemeinden die Finanzierungsrisiken als grösste Gefahr für ihre Entwicklung sehen – sprich das Risiko, notwendige Investitionen in die Infrastruktur nicht mehr selbst tragen zu können.

Abbildung 1: Entwicklung Finanzierungsrisiken 2022 vs. 2024

Unser Benchmarking zeigt zudem: In den Jahren 2023 und 2024 ist die Nettoverschuldung leicht gestiegen. Gleichzeitig liegen sowohl der Nettoverschuldungs- als auch der Bilanzüberschussquotient bei den meisten Gemeinden noch im grünen Bereich. Aktuell scheint also noch die Sonne – doch die Wolken werden dichter.

Ursachen der angespannten Situation

Ein Blick ins Benchmarking zeigt, dass sich der operative Cashflow – sprich die selbst finanzierten Mittel – von 2022 bis 2024 im Durchschnitt fast halbiert hat. Gemeinden hatten im Jahr 2024 nur noch halb so viel Geld erwirtschaftet wie 2022. Dieses Geld fehlt für Investitionen, weshalb vermehrt Darlehen aufgenommen werden müssen.

Entwicklung des operativen CF/EW als Hinweis auf Notwendigkeit für finanzielle Sanierung
Abbildung 2: Entwicklung des operativen CF pro EinwohnerIn in einer Beispielgemeinde

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Demografische Entwicklung: Die Quote «Erwerbstätige pro Rentner:in» sinkt deutlich. Dies belastet nicht nur die Einnahmenseite, sondern auch die Kosten, da Gemeinden Pflegeleistungen und Ergänzungsleistungen mitfinanzieren.
  • Steigende Anforderungen an Infrastruktur und Dienstleistungen: Schulhäuser, Freizeitanlagen, Bildung und Verwaltung müssen ausgebaut werden. Zudem müssen Dienstleistungen heute doppelt angeboten werden – digital und analog – was die Kosten weiter erhöht.
  • Sozial- und Asylhilfe: Gemeinden tragen weiterhin wesentliche Kosten in diesen Bereichen.

Alles zusammen führt dazu, dass die Wolken am Himmel für die Gemeindefinanzen dunkler werden.

Drei Erfolgsfaktoren für eine nachhaltige finanzielle Sanierung

Am Ende kochen alle mit Wasser – die Stellschrauben sind überschaubar. Gemeinden können im Kern nur Ausgaben senken, Einnahmen erhöhen oder Investitionen priorisieren. In der Praxis ist das jedoch anspruchsvoll. Barbara Dillier, Stadtpräsidentin von Rapperswil-Jona, hat dies an unserem Webinar vom 4. Dezember 2025 eindrücklich bestätigt. Wir sehen drei zentrale Erfolgsfaktoren:

1. Frühzeitig handeln statt spät reagieren

Warnsignale müssen rechtzeitig erkannt werden. Wenn der Selbstfinanzierungsanteil über drei Jahre hinweg klar unter 10 % liegt, ist der Handlungsbedarf dringend. Denn dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis Investitionen nicht mehr selbst getragen werden können und die Verschuldung steigt.

2. Alle Stakeholder von Anfang an auf den Weg mitnehmen

Eine Finanzstrategie braucht klare Leitplanken. Werden diese durchbrochen, muss die Gemeinde systematisch handeln. Verwaltung, Politik und Bevölkerung sollten von Beginn an in den Prozess eingebunden werden. Nur so entstehen Verständnis und Vertrauen für die notwendigen Schritte.

3. Ein ausgewogenes Rezept

Eine nachhaltige finanzielle Sanierung gelingt selten mit einer einzigen Massnahme. Nach unserer Erfahrung funktioniert sie nur, wenn die Last auf mehrere Schultern verteilt wird:

  • 1/3 Steuererhöhung
  • 1/3 Effizienzsteigerung, Qualitätsverbesserung und Mehreinnahmen durch die Verwaltung
  • 1/3 Leistungsverzicht

Dieses ausgewogene Modell wirkt nicht nur kurzfristig, sondern schafft langfristig Vertrauen und Stabilität.

Unser Ansatz

Gemeinsam mit der BDO begleiten wir Gemeinden regelmässig bei Projekten für ihre finanzielle Sanierung. Wir arbeiten systematisch, datenbasiert und mit Einfühlungsvermögen. Denn ein Sparprogramm tut weh – sowohl den Menschen, die in der Gemeinde wohnen, als auch jenen, die dort arbeiten. Umso mehr sehen wir es als Kompliment, wenn eine Abteilungsleiterin am Ende eines Workshops zur Identifikation von Sparmassnahmen sagt:

Zitat aus einem Workshop für finanzielle Sanierung einer Gemeinde.
Abbildung 3: Zitat einer Abteilungsleiterin am Ende eines Workshops zu Sparmassnahmen

Wenn sich in Ihrer Gemeinde auch dunkle Wolken am finanziellen Horizont abzeichnen, kontaktieren Sie uns, damit wir gemeinsam einen massgeschneiderten Weg finden können, um in Ihrer Gemeinde die Sonne wieder nachhaltig scheinen zu lassen. 

Joel

Joel Haueter

Joel ist der Gründer und Geschäftsführer der publicXdata AG. Er begeistert sich seit über 10 Jahren für Themen rund um die gesamtheitliche Steuerung von Schweizer Gemeinden. Sein Ziel ist es immer, skalierbare und somit bezahlbare Lösungen für Gemeinden zu entwickeln, die den Gemeinden einen optimalen Ressourceneinsatz ermöglichen.

Weitere Blogbeiträge